Tocotronic gelten als die vielleicht wichtigste Indierockband der letzten zehn Jahre - und sie sind, im Gegensatz zu anderen großen Protagonisten, immer noch da. Und wie! Man muss gar nicht mit der „Diskursrock“-Keule oder der Hamburger Verschulung drohen, um die Großartigkeit dieser Band zu erfassen. Ende 1993 gegründet erscheint Anfang ‚95 das Debüt-Album Digital ist besser und setzt einen Meilenstein in der deutschsprachigen Indie-Pop-Geschichte. Mit dem dritten Album „Wir kommen um uns zu beschweren“ steigen Tocotronic im Frühjahr ‚96 in die deutschen Charts ein. Der Musiksender Viva will Tocotronic den Comet verleihen, aber während der Preisverleihung bedankt sich die Band gewohnt höflich und lehnt den Preis ab, weil sie sich nicht in die Kategorie „jung, deutsch & aufstrebend“ zwängen lassen wollen. Nun erschien im Juli 07 ihr neuestes Werk „Kapitulation“. Die Songs feiern, poetisch überstilisiert, den Triumph der Niederlage, die Kunst des Verlierens. Sie stellen den Absturz über den Aufschwung, bieten Erlösung durch Ergebung. Die neuen Lieder von Tocotronic liefern das Gegengift zur westlichen Leistungsgesellschaft, ein Rezept gegen das Hurra-Deutschland.